22. Januar 2019

Der Dreck muss weg

Wie man endlich Schluss macht mit der Aufschieberitis

Wenn du Hunde hast, kennst du das sicher auch. Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit gleicht mein morgendlicher Spaziergang mit meinen beiden Hunden Dobby und Gaia einem Spießrutenlauf. Wo man auch hinschaut, überall braune Tretminen. Was bewegt die Hundebesitzer, diese nicht zu entfernen? Sind es die kalten Finger, die man lieber in der warmen Jackentasche lässt, statt zittrig zu versuchen, eine statisch aufgeladene, viel zu dünne Tüte zu öffnen und den Dreck wegzuräumen? Sicher, auch im Sommer liegen viele Haufen am Wegesrand. Es sieht nur nicht so schlimm aus. Alles ist schön bewachsen und versteckt so einiges.

Warum schreibe ich dir das? Sicher finden sich auch in deinem Berufsalltag als Augenoptiker zahlreiche gute Beispiele. Denn so ein Wegesrand hat viel mit unserem Unternehmerleben zu tun. Über das laufende Jahr hinweg verschließen wir sehr erfolgreich unsere Augen vor unangenehmen Dingen. Zum Jahresbeginn ploppen dann aber all die braunen Haufen wieder auf. Die Inventur ist überfällig. Steuern und Versicherungen werden “plötzlich” abgebucht. Das jährliche Umsatzloch im Januar/Februar kommt wieder unerwartet. Unser Steuerbüro legt eine lange Liste mit fehlenden Rechnungen vor… Diese Aufzählung kannst du für dich persönlich sicher noch fortsetzen. Hier gibt es nur eine Lösung: nicht länger die Augen verschließen, Ärmel hochkrempeln, den Dreck wegräumen, Hände waschen und uns wieder schöneren Dingen zuwenden.

 

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen, besagt ein altes deutsches Sprichwort. Es heißt uns, notwendige Dinge, auch wenn sie unangenehm sind, direkt zu erledigen und nicht ewig vor uns herzuschieben. Denn ruckzuck kommen neue, möglicherweise wichtigere Aufgaben mit höherer Priorität auf uns zu. Die nicht erledigten summieren sich und plötzlich stehen wir vor einem Berg von Arbeit und kommen nicht hinterher. Stichwort Proskrastination bzw. Aufschieberitis. Letztendlich hat sich eine Menge unerledigter “Dreck” angesammelt, über den wir immer wieder stolpern und uns ärgern.

 

Was nun aber kannst du tun, dass sich über das Jahr hinweg nicht soviel Dreck ansammelt, der sich zwischenzeitlich gut verstecken lässt und dann plötzlich hochploppt? Nutze deine Motivation am Jahresanfang und gehe das Thema Aufschieberitis für das neue Geschäftsjahr konsequent an. Du wirst erstaunt sein, welch gutes Gefühl sich einstellt, für längere Zeit nicht von braunen Haufen überrascht zu werden.

 

Hier ein paar konkrete Tipps für den Umgang mit der Aufschieberitis:

 

Beginne sofort und erledige das Unangenehme als erstes, wenn du am Tagesanfang noch motiviert bist. Gerade vormittags kommen mit der Post die Lieferungen – Fassungen, Brillengläser, Kontaktlinsenpflegemittel – du kennst das. Die Lieferscheine legst du in den Ablagekorb und dort sammeln sie sich dann an. Treffen die Rechnungen dazu ein, musst du erst den Stapel durchwühlen, bis du die dazugehörenden Lieferscheine findest, um den Rechnungsbetrag prüfen zu können. Also, ab heute heftest du die Lieferscheine sofort ab und hast sie dann mit einem Griff zur Hand. Das spart Zeit, die du mit Dingen verbringen kannst, die dir in deinem Optikerleben mehr Spaß machen.

 

Mache dir einen Plan in Form einer To-Do-Liste. Am besten am Abend vorher. Notiere dir, was am nächsten Tag in welcher Reihenfolge zu erledigen ist. Prokrastination ist eine unangenehme Angewohnheit, die sich aber gut überlisten lässt. Wenn du dich am nächsten Tag genau an diese Liste hältst, wirst du sehen, wie gut du vorankommst. Achtung: Verplane aber nur einen Teil des Arbeitstages, damit du genug Zeit für Unvorhergesehenes hast. Denn Unterbrechungen führen dazu, dass man in die Versuchung kommt, weitere Dinge aufzuschieben. Hast du aber genug Zeit für Unterbrechungen eingeplant, kannst du deine Liste stressfrei weiter abarbeiten. Ein besonders gutes Gefühl macht es übrigens, erledigte Aufgaben sichtbar abzuhaken. Indem du die Dinge visualisierst, führst du dir selbst eindrucksvoll vor Augen, was du schon alles geschafft hast.

 

Setze dir Prioritäten und unterscheide zwischen dem Eiligen und dem Wichtigen. Das ist das sogenannte “Eisenhower-Prinzip”. Dwigt D. Eisenhower erfand eine Matrix aus vier Kästchen. Diese unterscheiden sich, angeordnet an den Achsen Dringlichkeit und Wichtigkeit, nach “Eilig und Wichtig”. Hierzu gehören die Aufgaben, die du als Inhaber sofort selbst erledigen musst. Das im Kästchen “Eilig aber Unwichtig”, versuche zu delegieren. In das Kästchen “Nicht eilig, aber wichtig” gehören Dinge, die sich gut terminieren lassen. Plane, wann du sie erledigen kannst. Und schließlich gibt es noch die Kategorie “Nicht eilig und unwichtig” – Nichts wie weg damit. Das kann gleich in den Papierkorb und wird so erst gar nicht zum “Zeitfresser”, indem du es immer wieder in die Hand nimmst und es dich dadurch für andere Dinge blockiert, die du dann aufschiebst.

 

Lobe und belohne dich. Sieh dir ruhig an, was du alles geschafft hast. Dann klopfe dir selbst auf die Schulter und gönne dir etwas. Ein Eis in der Mittagspause? Ein Glas Wein am Feierabend? Eigenlob stinkt entgegen des Volksmundes nicht, sondern führt zu verstärkter Eigenmotivation.

 

Sei ehrlich mit dir selbst. Meister der Aufschieberitis sind meistens auch Meister im Erfinden von Ausreden. Für sich, für die Umstände – ihnen fällt immer etwas ein, was ein Hinderungsgrund sein könnte, die anstehende Aufgabe zu erledigen. Mache Schluss damit, dich selbst zu betrügen. Frage dich, ob es tatsächlich wahr ist, warum du meinst, das ein oder andere nicht tun zu können. In den meisten Fällen wirst du sehen, dass das nicht der Fall ist und du nur wieder einem Vorwand aufgesessen bist.

 

Organisiere dein Online-Verhalten. Stichwort Zeitmanagement. Ist kein Kunde im Laden, führt der erste Weg doch meistens erst mal zum PC. Schnell die Mails checken, im Internet was suchen, kurz mal bei Facebook reinschauen, was es Neues gibt. Du glaubst nicht, wieviel Zeit du über den Tag damit vergeudest, die du effizienter nutzen könntest. Zwei- bis dreimal den Maileingang zu checken, reicht vollkommen aus. Zeit für Internet-Recherche kann man aktiv einplanen und auf Facebook dreht sich die Welt auch weiter, ohne dass du ständig reinschaust.

 

Zum Schluss noch eines: Frage dich nicht “wie schaffe ich das bloß?” sondern “wie und wann fange ich damit an?” Denn die Hauptursache der Aufschieberitis ist, gar nicht erst anzufangen. Deshalb endet unser heutiger Blog mit einem der besten Marketing-Claims überhaupt, dem der Sportartikelfirma Nike – “Just do it”. Und auf geht’s!

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